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Kulturelle Vielfalt und Integration durch Kreativität
Ein Gastbeitrag von Constanze Kirchner
![]() 29.November / Constanze Legner
Was bedeutet es, eine kreative Stadt zu sein? Benötigt eine kreative Stadt möglichst viele kreative Einwohner oder ist vielmehr ein breites kulturelles Angebot
Indikator für eine kreative Stadt? Der Pädagoge und Kreativitätsforscher Olaf-Axel Burow nennt als Kern für das Entstehen kreativer Leistungen das kreative
Feld, das sich durch den Zusammenschluss von Personen mit stark unterschiedlich ausgeprägten Fähigkeiten auszeichne, die eine gemeinsame Vision verbinde
und die ihr kreatives Potenzial wechselseitig hervorlocken und erweitern. Wenn sich also in einer Stadt Personen ihren Interessen gemäß zusammenfinden,
Ideen vergleichen und ihr unterschiedliches Können miteinander verknüpfen, kommen sie auf neue Ideen und Gestaltungsvorhaben. Kreative Leistungen
hängen von Interaktion, kreativem Feld und der Umwelt ab und nicht nur ausschließlich von einem mit besonderen Leistungsfähigkeiten ausgestatteten
Individuum. Für die kreative Stadt bedeutet das: Es gibt vielerlei Möglichkeiten, Kreativität aktiv zu entwickeln – insbesondere, wenn ein Nährboden gelegt
wird, der es erlaubt, die individuellen kreativen Potenziale zu entdecken.
Was ist Kreativität? Künstlerinnen und Künstler gelten als besonders kreativ. Sie suchen nach Widerständen und Grenzen, und sie denken mit ästhetischen Mitteln über Wirklichkeit nach – spontan, situativ, sensibel, träumerisch, in Bildern, fantasierend und zugleich kritisch hinterfragend. Insbesondere ihre Vorstellungen von Handlungsweisen und Kombinationsmöglichkeiten sowie von ungewöhnlichen Lösungswegen sind häufig nicht so strikt festgelegt wie in tradiert sozialisierten Kontexten. Allerdings: Kultur tragende Leistungen, also solche, die einen gesellschaftlichen Gewinn erbringen, sind erst dann gegeben, wenn es tatsächlich zu kulturell bedeutsamen Leistungen kommt. Solche kulturelle Kreativität erfordert im Unterschied zur individuellen Kreativität erheblich vertiefte Kenntnisse in spezifischen Wissensgebieten. Die Kreativität wird letztlich an einem erzeugten Produkt gemessen. Deshalb ist die Kreativität die Kraft, die über die Fantasie hinaus originell und flexibel Wirklichkeit gestaltet, indem sie kulturell oder individuell bedeutsame Leistungen erzeugt. Siegfried Preiser, ein renommierter Kreativitätsforscher, schlägt sieben Kriterien vor, um eine kreative Person zu beschreiben: Sie braucht Problemsensitivität (1), um ein Problem zu erkennen, Einfalls- und Denkflüssigkeit, um möglichst viele Lösungsideen zu entwickeln – also Fluktualität (2). Darüber hinaus ist Flexibilität (3) im Denken nötig, für den Transfer, beispielsweise um Analogien von der Natur zu technischen Entwicklungen herzustellen, und Kombinationsfähigkeit, um Dinge, die nicht zusammengehören, zusammen zu denken. Von der Flexibilität profitiert die Qualität der Ideen. Originalität (4) entsteht, wenn man unkonventionelle und innovative Lösungen findet. Voraussetzung hierfür ist wiederum die Durchdringung eines Problems, das Erfassen seiner Komplexität und Vielschichtigkeit (5). Weiterhin wird die Ambiguitätstoleranz (6) als Kreativitätsmerkmal genannt. Ambiguität ist das Zwiespältige, das es durch Umstrukturierung und Frustrationstoleranz auszuhalten und zusammenzuführen gilt. Und als letzter Punkt ist die Ausarbeitung einer Idee, die Elaborationsfähigkeit (7), anzuführen. Dieses Ausarbeitungsvermögen ist ein vielfach unterschätztes Kriterium von Kreativität. Voraussetzung für das Entwickeln von Kreativität ist zunächst das Erkennen von Stärken und Schwächen, die eine Person in Bezug auf die oben genannten Kreativitätsmerkmale aufweist. Selbstreflexion, Einfühlung und Achtsamkeit, Eigeninitiative und vor allem der Glaube an die eigene Kreativität sind hierfür entscheidend. Bedeutung der Kreativität für Augsburg Die Kreativität einer Stadt entfaltet sich im Feld heterogener kultureller Angebote, gebunden an die Einwohner, die mit ihren kreativen Möglichkeiten den städtischen Kulturraum bespielen. Doch nicht nur für das kulturelle, auch für das soziale Miteinander kann die Kreativität einen entscheidenden Beitrag leisten: Denn die Kreativität ist nicht nur der Motor, ein Produkt hervorzubringen, sondern auch – zusammen mit der Fantasie – die Kraft, sich aktiv ein Bild von der Welt zu machen, eine eigene Welt zu entwerfen, das heißt, das Leben selbstverantwortlich zu gestalten. Deshalb kann gerade die Kreativität helfen, sich in unserer zunehmend heterogenen Lebenswirklichkeit zu positionieren – sie kann helfen, mit gesellschaftlichen Brüchen umzugehen sowie Brücken in andere, vielleicht fremde Kontexte zu schlagen und Neues in unbekannten sozialen oder kulturellen Strukturen auszuprobieren. Mit dieser hohen integrativen Wirkung erhält das Fördern von Kreativität in der Stadt Augsburg doppelte Bedeutsamkeit. www.facebook.com/martin.vodalbra |