Das Handwerk des Voyeurs
a-guide-Künstlerporträt: Bernd Jaufmann>
16.April/fap Bernd Jaufmann hat schon vieles gemacht, aber fast schon immer fotografiert. Doch bevor er die Fotographie zu seinem wirtschaftlichen und kreativen Lebensmittelpunkt machen konnte, bauchte es zwei Studienversuche sowie gute und schlechte Praktika in unterschiedlichen Bereichen der Fotografie. Heute kann man sagen, alle Umwege haben sich gelohnt. Jaufmann versteht sein Handwerk und als ein Handwerk versteht er seine Kunst. Faszinieren lässt sich Jaufmann gerade von Spannungen und Provokationen. Diese zu beobachten, festzuhalten und in die Rolle des Voyeur zu schlüpfen, ist für ihn nicht verwerfliches.

In seiner kommenden Ausstellung dokumentiert Jaufmann Fans verschiedenster Musik. Er traute sich zu den schwarzen Goths in die Rockfrabrik und bat die Besucher eines klassischen Sinfonieorchesters um ein Foto. Er fotografierte mit seiner Mittelformatkamera auf verschwitzten Technopartys ebenso wie auf ekstatischen Feiern der Rockabillys. Herausgekommen ist eine Sammlung von Gegensätzen wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch haben alle Portraitierten etwas gemein: Mit Haut und Haaren leben sie ihre Musik und öffnen sich vertrauensvoll für einige Augenblicke dem Fotografen.

Eine Auswahl der interessantesten Aufnahmen aus diesen Sessions von Bernd Jaufmann werden ab dem 23. April 2010 im Rahmen der Ausstellung "Musik und Leidenschaft: Fans von Gothic bis Klassik" in der Zentrale der Augustabank Augsburg in der Schießgrabenstraße zu sehen sein. Für die Genossenschaftsbank ist es innerhalb weniger Monate schon die zweite künstlerische Zusammenarbeit mit einem Fotografen aus der Region zu einem gesellschaftlichen Thema.


www.artyshock-foto.de


Letzte Stories und neuer Sound
Unser Kolumnist Franz Dobler
veröffentlicht das ABC des Lebens bei Blumenbar
25. März/pif Entertainer, Musiker, DJ und Autor. Das alles ist Franz Dobler. Von sich selbst sagt er, er sei der letzte gottverdammte Punkrocker aus seiner Generation in dieser wunderbaren deutschen Literaturszene. Sein jüngstes und soeben beim Blumenbar-Verlag in Berlin erschienenes Werk »Letzte Stories« umfasst 26 Geschichten. Alphabetisch geordnet ergeben sie Doblers »ABC des Lebens«. Die Leser unseres Kulturmagazins kennen die meisten dieser Stories von Doblers Kolumne, die er seit drei Jahren für unsere letzte Seite schrieb. Sie handeln zum Beispiel davon, wie jemand doch nicht dem Wahnsinn verfiel, von dem mysteriösen Pärchen Yin und Yang oder von einem Mann in einer Bar, der sich keine Witze merken kann außer diesem: »Mit dem Schreiben ist es wie mit dem Sex, es macht nur den Amateuren Spaß.«

Den Amateurstatus hat Franz Dobler schon lange hinter sich gelassen. Er veröffentlichte unter anderem den Roman »Aufräumen«, die Johnny-Cash-Biografie »The Beast in Me« und wurde für seinen Gedichtband »Jesse James und andere Westerngedichte« und den Roman »Tollwut« 1993 mit dem Bayerischen Literaturförderpreis ausgezeichnet, für sein Gesamtwerk 1999 mit dem März-Efeu. Und das bringt die Zukunft: Im Herbst erscheinen ein Best-of seiner Musiktexte und das Hörbuch zu seinem letzten Gedichtband »Ich fühlte mich stark wie die Braut im Rosa Luxemburg T-Shirt«, erweitert um neueste Gedichte. Neue Soundprojekte mit seinem DJ-Hörspiel-Partner Hubl Greiner sind ebenfalls in Arbeit.

Franz Dobler ist einer dieser Schriftsteller, die man am besten nicht nur liest. Ihn muss man sehen und vor allem hören. Seine Lesungen sind Performances, also Kunststücke für sich.

Am 24. April liest Franz Dobler aus »Letzte Stories«, ab 21 Uhr in den Räumen der Galerie Krüggling in der Singerstraße 9 im Bismarckviertel. Nach der Lesung im Salon der Galerie legen Doblers Kumpels vom GoGo-Club in den darunterliegenden Gewölben gut tanzbare, schwarze Vinyls aus den 50er, 60er und 70er Jahren auf. Einlass ist 20 Uhr, der Eintritt beträgt 10 Euro. Der Abend wird vom Kulturmagazin a-guide präsentiert.

Franz Dobler: Letzte Stories. 26 Geschichten für den Rest des Lebens, Blumenbar-Verlag, 168 Seiten, gebunden, 16,90 Euro

www.franzdobler.de


Auf den zweiten Blick
a-guide Künstlerporträt: Felix Weinold
25. März/fap Der Künstler Felix Weinold spricht gut und gerne über seine Arbeit. Und das ist richtig so - nicht weil seine Bilder ohne Erklärung nicht funktionieren würden, sondern weil es sich lohnt, über sie zu erzählen. Die Sache ist die: Weinolds Bilder sind keine Abbilder. Nur auf den ersten Blick zeigen sie Menschen, Tiere und Landschaften. Eigentlich sind es die Bilder selbst, die zu sehen sind, das Konzept Bild im Allgemeinen. Dafür bedient sich Weinold vieler Quellen. Neben eigenen Fotografien finden sich Teile von Bildern aus dem Internet oder Fragmente alter Postkarten in seinen Arrangements. Selbstbewusst bezeichnet Weinold das Material für seine Arbeit als "zusammengeklaut".

2003 hat Weinold seine Arbeiten zuletzt öffentlich präsentiert – höchste Zeit also, wieder einmal auszustellen. Die kommende Schau im Glaspalast wird auf den ersten Blick von Fotografien dominiert, doch Kunstausstellungen sind nicht der richtige Ort für erste Blicke, und schon gar nicht Weinolds Arbeiten. Der zweite Blick zeigt, dass es nicht einfach Fotos sind, die Felix Weinold präsentiert, sondern Modifikationen und Collagen. Bei näherem Hinsehen werden die Besucher in den einfarbigen Flächen genauso viel entdecken wie in den abgebildeten Personen und Gegenständen.

www.felixweinold.de


Morbide Kleinigkeiten
Das a-guide-Künstlerporträt Dörte Ehrig

2. Februar/fap Das schön Verfallene hat es Dörte Ehrig angetan und mit ihrer Kamera hält sie vor allem Orte mit morbidem Charme fest. Da verwundert es nicht, dass es gerade die Stadt Berlin ist, wo sie solche Motive für sich und uns entdeckt hat. Auf ihren Bildern zeigt sie plakatierte Häuserwände, abgeblätterte Ladenfronten und zugewucherte Fenster. Oft sind es Kleinigkeiten, an denen man im Alltag einfach vorbeigehen würde. Ein einsamer Löwenzahn an einer erodierten Mauer oder verwaiste Blumenkästen. Immer ist es Ehrigs Perspektive, die das Besondere im Gewöhnlichen sichtbar macht.

Sie kennt und liebt Berlin, wo sie 1966 am Prenzlauer Berg geboren und aufgewachsen ist. Seit 1993 lebt sie in Augsburg. Die in ihrer Ausstellung »Bl.icke Berlin« zusammengefassten Werke sind über viele Jahre hinweg entstanden und dokumentieren den Geist unterschiedlicher Jahrzehnte. Seit 1989 fotografiert Dörte Ehrig in Farbe, lange Zeit analog. Und auch wenn sie heute digital arbeitet, hat sie die Tugenden der Analogfotografie nicht vergessen: Ihre Bilder werden weder beschnitten noch bearbeitet.

Dörte Ehrig hat nicht nur die großartige Vorlage geliefert für das Cover und einige Beiträge dieser Ausgabe, sondern eröffnet auch unsere neue Reihe mit Künstlerporträts. Mehr Bilder von Dörte Ehrig gibt es auf unserer Internetseite www.a-guide.de unter der Rubrik »Künstlerporträt« zu bewundern.

Bl.icke Berlin, Fotografien von Dörte Ehring noch bis 27. Februar im Weinhandel Uli Scheffler // Kontakt: fotos@knippse.de

Fotogalerie
Vita

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